10 Betrugsmaschen und dazugehörige Verhaltenstipps

Jeden kann es treffen. Hilfsbereitschaft und Höflichkeit gegenüber Fremden oder die Problematik, nicht gelernt zu haben “Nein” zu sagen, führen häufig dazu, auf Betrugsmaschen reinzufallen. Die Kreispolizeibehörde Wesel warnt vor gängigen Betrugsmaschen und gibt dazugehörige Verhaltenstipps:

1.Enkeltrick:
Mit den Worten „Rate mal wer hier spricht“ oder „Rate mal wer dran ist“ rufen  Betrüger bei meist älteren und alleinlebenden Personen an, geben sich als
Verwandte, Enkelkind oder auch gute Bekannte aus und bitten kurzfristig um
Bargeld. Als Grund wird ein finanzieller Engpass oder eine Notlage vorgetäuscht,
beispielsweise ein Unfall, ein Auto- oder Computerkauf. Oft werden die
Betroffenen durch wiederholte Anrufe unter Druck gesetzt und zur
Verschwiegenheit verpflichtet. Erklärt man sich bereit zu zahlen, wird eine Person
angekündigt, die das Geld abholt. Haben die Betroffenen die geforderte Summe nicht parat, werden sie gebeten, unverzüglich zur Bank zu gehen.

2.WhatsApp-Betrug:
Hierbei handelt es sich um den digitalen Enkeltrick. Die Betrüger melden sich mit einer neuen Mobilfunknummer als angebliche Kinder mit den Worten „Hallo Mama“ oder „Hallo Papa“. Unter einem Vorwand bitten sie dann darum, ausstehende Überweisungen für sie zu übernehmen.

3.Falscher Polizeibeamter:
Die Vorgehensweise hier ist ähnlich. Am Telefon wird unter verschiedenen Vorwänden versucht den Betroffenen dazu zu bringen Geld oder Wertgegenstände an jemanden zu übergeben, der sich als Polizist ausgibt. Man hat angeblich eine Bande festgenommen, bei denen ein Zettel mit ihrer Anschrift gefunden wurde. Dazu behaupten sie, dass die Wertgegenstände zu Hause nicht mehr sicher seien. Im Display ist die Polizei-Notrufnummer 110 zu sehen.
Unbedingt merken!! Die Polizei ruft nie über 110 an.
Es handelt sich um eine reine Notrufnummer und nicht um eine „normale“ Telefonnummer.

4.Schockanruf:
Hier behaupten Kriminelle, es wäre zu einem schweren Verkehrsunfall gekommen, bei dem ein Verwandter selbst oder ein Kind schwer verletzt oder sogar getötet wurde. Oft ruft ein angeblicher Rechtsanwalt an und fordert eine hohe Geldsumme für ärztliche Behandlungskosten, Schmerzensgeld oder eine Strafkaution, damit der Familienangehörige nicht ins Gefängnis muss. Die Kriminellen steigern immer weiter die Dramatik, bis man sich hilfsbereit und zahlungswillig erklärt.

Tipps:

  • Seien Sie immer misstrauisch
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Legen Sie den Hörer auf, wenn Ihnen etwas merkwürdig erscheint oder jemand von Ihnen Geld haben möchte
  • Lassen Sie sich nicht ausfragen. Sprechen Sie am Telefon nicht über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse. Die Polizei erfragt telefonisch keinen Kontostand
  • Übergeben Sie niemals Geld oder Wertgegenstände an fremde, unbekannte Personen
  • Wenden Sie sich an ein Familienmitglied oder an eine Vertrauensperson, um die Sache zu klären
  • Informieren Sie sofort die Polizei über die Notrufnummer 110, wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt

5.Abzocke am PC – Der Microsoft-Trick:
Hier geben sich Betrüger als Mitarbeiter des technischen Supports von Microsoft aus und behaupten, dass Ihr PC angeblich von Viren befallen sei. Die häufig nur englisch oder gebrochen deutsch sprechenden, falschen Support-Mitarbeiter bieten an, Ihnen zu helfen und versuchen, Sie am Telefon zu überreden, unter ihrer Anleitung bestimmte Schritte am PC auszuführen.

Tipps:

  • Geben Sie keine privaten Konto- oder Zugangsdaten heraus
  • Microsoft führt nach eigenen Angaben keine unaufgeforderten Telefonanrufe durch, um schadhafte Geräte zu reparieren. Selbst auf offizielle Support-Anfragen erfolgen Hilfestellungen ausschließlich per E-Mail
  • Werden Sie von einem angeblichen Microsoft-Mitarbeiter angerufen, beenden Sie sofort das Gespräch
  • Lassen Sie sich nicht von Drohungen irritieren, wonach die Anrufer Ihre Windows-Version löschen, wenn Sie das Programm nicht installieren
  • Haben Sie bereits mit einem falschen Microsoft-Mitarbeiter gesprochen, trennen Sie Ihren PC vom Netz
  • Melden Sie den Betrugsfall der Polizei
  • Lassen Sie Ihren PC von einem Computerexperten überprüfen

6.Falsche Gewinnversprechen
Angebliche Rechtanwälte oder Notare geben vor, Sie hätten bei einem Gewinnspiel einen hohen Geldbetrag oder ein Auto gewonnen. Vor der Übergabe des Gewinns sei allerdings noch eine „Verwaltungs- oder Bearbeitungsgebühr“ zu entrichten. Die Bezahlung könne per Bargeldtransfer oder in Form von Prepaid-Coupons („Paysafe“ oder „iTunes“) erfolgen. Diese sind beispielsweise an Tankstellen erwerbbar und funktionieren wie Bargeld bloß im Internet. Die Übergabe des Gewinns erfolgt nie.

Tipps:

  • Merke: Wer an keinem Gewinnspiel teilgenommen hat, kann auch nichts gewonnen haben!!
  • Bezahlen Sie niemals vor der Gewinnübergabe die geforderte „Verwaltungs-oder Bearbeitungsgebühr“!
  • Rufen Sie im Zusammenhang mit der vermeintlichen Gewinnübergabe keine gebührenpflichtige Sondernummer an, die z.B. mit 0900…, 0180…, 0137…, beginnt! Dabei können sehr hohe Gesprächskosten entstehen!
  • Machen Sie keine Zusagen am Telefon!
  • Geben Sie am Telefon keine persönlichen Daten, keine Adresse, keine Telefonnummer, keine Kontodaten, keine Bank-/Kreditkartennummer oder ähnliches an!
  • Handeln Sie unverzüglich, wenn Sie Unregelmäßigkeiten auf Ihrem Konto feststellen! Abbuchungen können Sie innerhalb einer bestimmten Frist problemlos widersprechen

7.Dachdecker-/Handwerker-Trick
Ein oder mehrere Kriminelle erscheinen bei Ihnen und geben sich als Dachdecker oder ähnliches aus und weisen Sie auf angebliche Schäden an Ihrem Dach hin, die dringend beseitigt werden müssen, damit kein größerer Schaden entsteht. Sie hätten mit hohen Strafen zu rechnen oder würden Ihren Versicherungsschutz verlieren, wenn Sie den Schaden nicht sofort beseitigen lassen.

Tipps:

  • Seien Sie misstrauisch, wenn Ihnen dringend zu behebende Schäden dargestellt werden!
  • Ziehen Sie sofort eine Vertrauensperson hinzu oder vereinbaren Sie einen späteren Termin, an dem dann Ihre Vertrauensperson anwesend ist!
  • Zahlen Sie nie bar! Seriöse Handwerker senden Ihnen eine Rechnung zu, die Sie per Überweisung bezahlen können!

8.Glas-Wasser-/Zettel-Trick
Kriminelle suchen Sie zuhause auf und bitten Sie um ein Glas Wasser, einen Zettel und einen Stift oder Ihre Toilette benutzen zu dürfen. In der Zeit in der Sie versuchen den Wunsch zu erfüllen durchsuchen die Kriminellen Ihre Räume und nehmen Geld und Wertsachen an sich. Sie können auch im Team arbeiten, dabei geht ein Krimineller hinter Ihnen in die Wohnung und lässt unbemerkt die Tür angelehnt, sodass ein weiterer Krimineller heimlich Zugang zur Wohnung bekommt und blitzschnell Ihre Räume durchsucht und Wertsachen einsteckt.

Tipps:

  • Öffnen Sie die Tür immer mit vorgelegter Türsperre! Haben Sie keine Türsperre, dann öffnen Sie nicht die Tür!
  • Lassen Sie keine Unbekannten in Ihre Wohnung! Sie sind nicht verpflichtet, jemanden in Ihre Wohnung zu lassen!
  • Fordern Sie bei Amtspersonen oder Mitarbeiter öffentlicher Betriebe den Dienst- oder Werks-/Firmenausweis und prüfen Sie ihn kritisch!
  • Rufen Sie beim geringsten Zweifel bei der Behörde, dem Werk oder der Firma an, von der der Unbekannte angeblich entsandt wurde! Suchen Sie die Telefonnummer selbst heraus! Rufen Sie auf gar keinen Fall die Telefonnummer an, die der Unbekannte Ihnen nennt!

Wichtig:  Lassen Sie den Unbekannten solange vor der Tür warten! Wenn er „echt ist“, hat er dafür in der Regel Verständnis!

9.Taschendiebstahl
Taschendiebe arbeiten in der Regel in Kleingruppen, meistens zu dritt. Sie suchen das Gedränge, treten besonders gerne bei Menschenansammlungen auf, z.B. beim Ein- und Aussteigen in öffentliche Verkehrsmittel, in Kaufhäusern, Supermärkten oder Discountern, auf Rolltreppen, im Fahrstuhl oder bei Großveranstaltungen. Die Kriminellen suchen körperliche Nähe, rempeln Sie an, verwickeln Sie in ein fadenscheiniges Gespräch, bieten ihre Hilfsbereitschaft an, beschmutzen Ihre Kleidung, decken Ihre mitgeführten Taschen als Sichtsperre mit einer Landkarte, einem Tuch oder sonstigen größeren Gegenständen ab.
Der erste Kriminelle lenkt Sie ab, der Zweite stiehlt die Beute und gibt sie an den Dritten weiter, der damit verschwindet. Sie bemerken den Taschendiebstahl in der Regel nicht.

Tipps:

  • Lassen Sie alles, was Sie aktuell nicht unbedingt benötigen, zu Hause!
  • Führen Sie nur das Notwendigste an Bargeld und Zahlungskarten am Körper verteilt mit, möglichst in Gürteltaschen oder Brustbeuteln!
  • Tragen Sie Hand- oder Umhängetaschen immer mit der Verschlussseite zum Körper!
  • Halten Sie Ihre Handtasche stets geschlossen und lassen Sie diese nie unbeaufsichtigt (z.B. Einkaufswagen im Supermarkt oder Einkaufskorb auf dem Gepäckträger des Fahrrades)!
  • Wenn Sie Opfer eines Taschendiebstahls geworden sind, lassen Sie sofortsämtliche in Verlust geratenen Zahlungskarten sperren! Sperr-Notruf: 116 116
  • Melden Sie den Vorfall direkt Ihrer Polizei über 110. Die Polizei kann Ihre Debit Karte zeitnah für das elektronische Lastschriftverfahren (für das nur eine Unterschrift und keine PIN-Nummer benötigt wird) sperren lassen!

10.Kaffeefahrten
Kriminelle werfen Briefe oder Flyer in Briefkästen und laden zu Busreisen, Essen, Kaffee, Kuchen, Unterhaltung und Geschenken ein. Bei der „Möglichkeit zur Teilnahme an einer Werbeveranstaltung“ geht es nur ums Geschäft und damit um Ihr Geld. Präsentiert werden Wärmedecken, Kochtöpfe, Badezusätze, Nahrungsergänzungsmittel, Trinkkuren oder Ähnliches.  Diese „Angebote“ sind nach polizeilicher Erfahrung häufig minderwertiger und meist teurer als im Fachhandel. Dennoch gehen viele Teilnehmende an Kaffeefahrten finanzielle Verpflichtungen ein, die teilweise sogar ihr monatliches Einkommen überschreiten. Schutz vor unüberlegten Käufen bietet Ihnen das „Widerrufsrecht bei Haustürgeschäften“. Innerhalb von 14 Tagen können Kaufverträge, die auf Kaffeefahrten oder vergleichbaren Veranstaltungen abgeschlossen wurden, widerrufen werden – dies geschieht am sichersten per Einschreiben mit Rück- schein.

Tipps:

  • Besonders das Kleingedruckte sollte vor Buchung einer Fahrt sehr sorgfältig gelesen und bedacht werden
  • Lassen Sie sich zu keinem Vertragsabschluss drängen
  • Zur Fristwahrung ist das Absende Datum entscheidend. Unseriöse Vertreter versuchen, diese Regelung zu unterlaufen, indem sie Bestellungen ohne Datumsangabe schreiben, sie rückdatieren oder das Unternehmen unleserlich oder erst gar nicht angeben. Das kann Ihre Verbraucherrechte gefährden!
  • Achten Sie stets auf das Datum und die Belehrung über das Rücktrittsrecht. Noch sicherer: Unterschreiben oder kaufen Sie bei einem „Ausflug mit Möglichkeit zur Teilnahme an einer Werbeveranstaltung“ erst gar nichts! Wenn Sie es doch getan haben, tragen Sie das Datum selber ein
  • Fehlt der Hinweis auf das Widerrufsrecht von 14 Tagen, gilt ein mindestens sechsmonatiges Rücktrittsrecht. Ein Rücktritt vom Vertrag innerhalb dieser Fristen muss nicht begründet werden
  • Das deutsche Widerrufsrecht gilt auch für Kaffeefahrten ins Ausland, wenn in Deutschland dafür geworben wurde und Busfahrt, Veranstaltung und Verkauf von einem deutschen Unternehmen durchgeführt wurden
  • Schwarze Liste unseriöser Anbieter: www.vzhh.de

Hilfe für Kriminalitätsopfer
Opfer einer Straftat kann jeder werden. Was dann zählt, sind menschlicher Beistand und praktische Hilfe. Jede Straftat, auch das oft verharmloste Eigentumsdelikt, bedeutet für Opfer und Angehörige meist einen schweren Eingriff in die persönlichen Lebensumstände.

Kriminalitätsopfer finden bei dem Opferschutz der Kreispolizeibehörde Wesel in vielfältiger Weise bedarfsgerechte Unterstützung. Die Opferschützer verstehen sich als Gesprächspartner für alle, die als Opfer einer Straftat unverschuldet in Not geraten sind.

Weitere Informationsquellen:
www.polizei-beratung.de (Einbruchschutz)
www.weisser-ring.de (Opferhilfe)